100 JAHRE MICHAELIS BESTATTUNGEN, MÜNSTER

Firmenjubiläum vom 9. und 10. September 2000

Aus Anlass unseres 100-jährigen Bestehens hatten wir den 9. und 10. September 2000 als Tage der offenen Tür in den Räumen an der Sternstraße gestaltet. Im Rahmen dieses einzigartigen Projektes präsentierten wir eine Ausstellung moderner Bestattungskultur im 21. Jahrhundert. Vorgestellt wurden u.a.:

  • Zeitgemäße Särge und Urnen sowie Designermodelle
  • Moderne Trauerfloristik
  • ein Steinmetz bei der Arbeit
  • Kunsttherapie -moderne Sarggestaltung-
  • Christliche Kunst
  • eine große Auswahl an Literatur zu den Themen "Tod und Trauer" Videovorführung "Jeder hat seine eigene Vorstellung" (Bestattungsvorsorge)

Grußwort der Stadt Münster zum Firmenjubiläum

Zu Beginn sprach die Bezirksvorsteherin des Bezirkes Münster Mitte, Frau Elfriede Dalla Riva-Hanning, als Vertreterin des Oberbürgermeisters der Stadt Münster ein Grußwort:

Sehr geehrter Herr Wesemann, meine Damen und Herren,

[...] Bei einem Firmenjubiläum zu sprechen ist für eine Bezirksvorsteherin eher ungewöhnlich. Bei Richtfesten, Grundsteinlegungen von Schulbauten und Kindertagesstätten bin ich eher zu finden. Noch ungewöhnlicher für mich ist, einem Beerdigungsinstitut zum Jubiläum zu gratulieren. Gleichwohl habe ich die Aufgabe, die Stadt zu vertreten gerne übernommen.

Wie Ihre Firma, sehr geehrter Herr Wesemann, so haben sich die meisten Bestattungsunternehmen aus dem Schreinerhandwerk entwickelt. Sargfertigung, Sarglieferung und dann Sargtransport waren die wesentlichen Aufgaben in den Anfängen.

Über die Sargfertigung zu Anfang des Jahrhunderts schreibt Friedrich Castelle in seinem Buch "Das Haus in der Dreizehnmännergasse". [...] Ich zitiere: "Hier fand er (gemeint ist der vom Schicksal hart getroffene Späönken Wierlinck) wieder Arbeit, denn mit dem Altmännerhaus ist die Totenkammer der Stadt verbunden, und neben der Totenkammer zimmern die Twölflinge seit altersher die Särge für die ganze Stadt. Ein Sarg, der braucht ja nicht große Kunst, den können auch alte steife Handwerkerhände noch zusammenschlagen. So glatt und sauber braucht er ja nicht zu sein, wenn nur die Bretter zusammenhalten und genügend Raum geben für einen müden Leib. Und so schallen denn tagsüber von der Timmerkammer her die hohlen Hammerschläge bang und schaurig durch die schöne blühende Welt des Friedens, und die alten Männer horchen hin, bis auch ihnen der eigene Sarg gezimmert wird."

[...] Also, ein Ursprung des Bestattungswesens das Handwerk. [...] Ein weiterer Ursprung liegt im Folgenden: die Versorgung und Bestattung der Toten war früher überwiegend eine Aufgabe der Nachbarschaft. Noch heute werden zumindest im ländlichen Bereich einige Aufgaben, wie z.B. das Sargtragen von den Nachbarn übernommen. Beerdigungsfirmen hatten zu den Nachbarschaften zunächst ergänzende, dann mehr und mehr ersetzende Funktion.

Im Logo der Firma Michaelis steht: "Die helfenden Hände im Trauerfall". Diese Aussage ist wohl eher symbolisch zu sehen, denn nicht nur helfende Hände bieten Sie an, gefordert sind Sie mit der ganzen Person mit allen erforderlichen Kompetenzen.

So klare und präzise Anweisungen wie sie seiner Zeit Leo Tolstoi hinterließ, gibt es sicherlich nur als Ausnahme. Er verfügte: "Ich will dort begraben werden; wo ich sterbe, auf dem billigsten Friedhof, falls es in einer Stadt ist, und im billigsten Sarg - wie Bettler - beerdigt werden. Am Grab sollen keine Blumen und Kränze niedergelegt werden und keine Rede gehalten werden".

Der Regelfall dürfte darin bestehen, daß der Bestatter im Gespräch mit den Trauernden viele Einzelheiten abzuklären und dann umzusetzen hat. Das geht von der Auswahl des Friedhofs und der Organisation der Grabstelle, über die Information und Abstimmung mit den Geistlichen, von den notwendigen Behördengängen, den Trauerbriefen und Anzeigen in den Zeitungen bis hin zu allen Details der Bestattungszeremonie und der Betreuung der Trauerfeier. In manchen Fällen sind sehr aufwendige Überführungen aus dem Ausland oder ins Ausland zu organisieren. Hierzu bedarf es u.a. umfassender Kenntnisse in rechtlichen Fragen, die vielfältigen und strengen Vorschriften hygienischer Versorgung Verstorbener sind zu beachten, man muß sich genau mit den Riten und Gebräuchen verschiedener Religionen und Kulturen auskennen und und und...

Von allen gennanten und ungenannten Kompetenzen hat das Erfordernis nach einem großen Maß an Einfühlungsvermögen Vorrang. Es ist wohl ein Grunderfordernis für den Beruf des Bestatters. Einfühlungsvermögen umso mehr, da es immer mehr Menschen schwer fällt, in Religion und Glaube Rückhalt und Trost zu finden. Ich stelle mir vor, daß Ihnen nicht selten auch seelsorgerische Qualitäten abverlangt werden.

All das Genannte muß dann nicht nur nach und nach sondern gewissermaßen gleichzeitig beherrscht werden, da ja immer nur wenige Tage Zeit bleiben.

Daß Sie, Herr Wesemann, Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und selbstverständlich Ihre Berufskollegen aus anderen Unternehmen einen vielfältigen Beruf haben, zeigen Sie mit Ihrem Programm, daß Sie für die beiden Tage der offenen Tür zusammengestellt haben. Sie bieten der Öffentlichkeit an, Ihre Arbeit kennen zu lernen, kennen zu lernen an einem normalen Wochenende und nicht erst dann, wenn Sie benötigt werden und alles über den Kopf von Angehörigen zusammenschlägt. Ich hoffe, viele Münsteranerinnen und Münsteraner nutzen diese Möglichkeit und überwinden die sicherlich vorhandenen Schwellenängste und besuchen die Firma Michaelis in diesen Tagen.

Die Besucher werden dabei sicherlich auch viel über die interessante Firmengeschichte des Hauses Michaelis erfahren, einiges war der Presse in diesen Tagen bereits zu entnehmen. 100 Jahre Firmengeschichte in äußerst wechselvollen Zeiten. Das Unternehmen Michaelis ist nicht nur zweimal hier in Münster, sondern auch in Eisenach und Erfurt und seit vier Jahren auch in unserer Partnerstadt Mühlhausen vertreten.

Welches Anliegen Sie, Herr Wesemann, mit den Tagen der offenen Tür verfolgen, haben Sie in Ihrem Einladungsbrief an den Oberbürgermeister deutlich gemacht, in dem Sie schreiben: "Meines Erachtens ist es wichtig, daß Tod und Trauer nicht völlig aus unserem Kulturleben verschwinden und man zu einem natürlicheren Umgang mit diesem Thema zurückkehrt, wie es in früheren Zeiten üblich war".

Ich persönlich kann diesen Satz nur mehrfach unterstreichen. Ich sehe dafür auch bereits einige Anzeichen. So glaube ich nicht, daß der Rat der Stadt Münster noch einmal einen Beschluß fassen würde und könnte, außerhalb der Stadtgrenzen ein Gelände zu erwerben, um dort die Toten zu begraben. Trotz der Vielzahl von anonymen Beerdigungen auf der einen Seite, zeigt andererseits das Streben und die Forderung vieler Bürger, nach wohnortnahen Begräbnismöglichkeiten das Gegenteil. Die Toten, und damit der Tod, werden nicht weggeschoben, sondern wieder näher geholt.

Die Planung eines Bezirksfriedhofs West und eines weiteren im Norden der Stadt und das Bestreben nach einer Vergrößerung bestehender Friedhöfe wie Kinderhaus und Handorf sind eine kommunalpolitisch schwierig zu lösende aber vom Grundsatz her nicht umstrittene Aufgabe. Ich glaube, die Stadt ist auf gutem Wege.

Zum Schluß möchte ich noch einmal betonen, daß ich Ihnen, sehr geehrter Herr Wesemann, und damit all denen die mit Bestattung zu tun haben, meinen großen Respekt und meine Anerkennung ausspreche. Ich betone noch einmal, daß ich mit Ihnen der Meinung bin, daß Tod und Trauer zum Kulturleben dazu gehören. Es gilt daher Ihnen nicht nur zum 100-jährigen Firmenjubiläum zu gratulieren, sondern mich insbesondere im Namen der Stadt Münster zu bedanken, daß Sie als ein Glied in der kulturellen Vielfalt unserer Stadt sich dieser Aufgabe verpflichtet fühlen und diese mit Engagement wahrnehmen. Vielen Dank!

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